BUND-Uhldingen

Amphibienschutz

Amphibienschutz hat beim BUND-Uhldingen eine große Tradition. Gleich bei der Gründung unser Ortsgruppe im Jahr 1990 wurde der Arbeitskreis „Amphibien“ ins Leben gerufen. Marianne Mall führte und organisierte den Arbeitskreis von Beginn an. Amphibienbestände, die unbedingt geschützt werden mussten, gab es am Killenweiher. Hier war schon seit 1984 die BUND-Gruppe Salem unter Karl Roth aktiv. Ab 1990 übernahm der BUND-Uhldingen den Schutz der Amphibien rund um den Killenweiher.

Amphibien-Jungtierwanderung in 2020

Die Wanderung der jungen, gerade metamorphierten Frösche und Kröten ist zu Ruhe gekommen. Seit dem 23. Mai 2020 beobachteten ehrenamtliche Helfern der BUND-Gruppe Uhldingen täglich das Geschehen auf den Waldwegen rund um den Killenweiher. Am 20. Juni wurden die täglichen Beobachtungen dann eingestellt. Das Ergebnis der Beobachtungen ist sehr ernüchternd, die Kröten und Frösche am Killenweiher werden immer weniger. Das Bild ergibt sich nicht nur für die frisch dem Wasser entflohenen Jungtiere sondern ist auch bei der Frühjahreswanderung für die erwachsenen Tiere festgestellt worden.

Das untenstehende Foto zeigt eine junge Erdkröte, so, wie sie jetzt unterwegs sind. Als Größenvergleich dazu ist eine Honigbiene zu sehen.
 

Größenvergleich von Honigbiene zu Jungkröte  (G.Vollmer)

Ziele des Jungtiermonitorings

Ziele der Aktion sind,

   - mehr über das Wanderverhalten der Jungtiere zu erfahren

   - die Tiere vor dem Straßentod zu bewahren.

Denn: 

Auf eine Gefahr sind sie von Natur aus nicht vorbereitet, auf den modernen Straßenverkehr. Ihm haben sie nichts entgegenzusetzen, keine Strategie, wie sie den schnellfahrenden Autos ausweichen können. Das Ergebnis ist, fast alle bleiben für immer auf der Straße.

Das widerspricht den Artenschutzbestrebungen des Bundesartenschutzgesetzes.

Nur, was tun?

Die BUND-Gruppe Uhldingen möchte helfen und tut es auch. Unsere Hilfe besteht darin, ihnen die Querung der Straße zu ermöglichen. Aber so einfach ist das auch nicht. Die Tiere einsammeln geht nicht, sie sind zu viele und die meisten zu gut versteckt. Leitanlagen, wie sie an der Landstraße nach Mimmenhausen eingebaut sind, lassen sich wegen des Bahndamms nicht realisieren. Bleibt noch eine unbequeme Lösung, die Straße für die kurze Zeit der Wanderung zu sperren. Das ist nicht schön, aber hilft.

Damit auch nur dann gesperrt wird, wenn es nötig ist, nutzen wir das Jungtiermonitoring dazu. Dafür sind Helfer*innen von uns jeden Tag im Wald, um nachzuschauen, wo sich die Tiere gerade aufhalten. Erst wenn sie die Straße erreichen, geben wir die Info an die Untere-Naturschutzbehörde des Landratsamtes weiter. Sie veranlasst die Sperrung. Die Straße wird sofort wieder freigegeben, wenn das Gros der Tiere sie passiert hat.

Die Amphibien am Killenweiher.

Erfasste Daten von 1985 bis heute.

Bei den hier vorgestellten Daten ist zu berücksichtigen, dass sich die Randbedingungen für ihre Erfassung über die Jahre geändert haben, z.B. waren 1985 nur Leitzäune aus Plastik im Einsatz, während heute zusätzlich eine Leitanlage mit 9 Tunnel eingebaut ist. Die Chronologie der Amphibienanlage entlang der L201 im Bereich des Killenweihers ist auf dieser Internetseite detailliert beschrieben. Sie muss zur Interpretation der Daten herangezogen werden. 

 

 

Statistik "Alle Tiere"

 (G.Vollmer)

Das Diagramm zeigt den Zeitraum der Wanderung und die Anzahl der erfassten Tiere pro Saison.

Die roten Balken geben die erfassten Tiere für die Durchlässe an. Die Durchlässe wurden bisher nur in drei Jahren miteinbezogen.

Dazu die Unterteilung in Arten!

Erdkröten

Dieses Diagramm zeigt das Vorkommen von Erdkröten. Die überdurchschnittlichen Werte von 1992 und 2013 sind den Durchlässen geschuldet.

Die gesamte Bestandsentwicklung weist einen signifikanten Rückgang seit dem Jahr 2000 auf.

Grasfrösche

Der Grasfrosch ist die am häufigsten vorkommende Froschart. Der Einfluss der Durchlässe in 1992 und 2013 ist hier nicht feststellbar.

Die Bestandsentwicklung des Grasfrosches ist seit dem Jahr 2000 signifikant rückläufig.

Grünfrösche

Dieses Diagramm zeigt das Vorkommen von Grünfröschen. Zu den Grünfröschen werden Teichfrösche, Wasserfrösche und Seefrösche gezählt. Bei den Werten von 1992 und 2013 sind die Durchlässe zu beachten.

Die gesamte Bestandsentwicklung weist einen signifikanten Rückgang seit dem Jahr 1987 auf.

Laubfrösche

Dieses Diagramm zeigt das Vorkommen von Laubfröschen. Die Statistik kann aber bei Laubfröschen nicht repräsentativ sein, weil sich die Tiere nicht in Eimern fangen lassen, sie klettern leicht wieder heraus. Die Fänge sind deshalb zufällig. 

Interessant ist aber, dass überhaupt Laubfrösche gefangen werden, denn damit ist ihr Bestand nachgewiesen.

Teichmolche

Dieses Diagramm zeigt das Vorkommen von Teichmolchen. Die überdurchschnittlichen Werte von 1992 und 2013 sind den Durchlässen geschuldet.

Die Bestand ist weitgehend gleichbleibend.

Bergmolche

Dieses Diagramm zeigt das Vorkommen von Bergmolchen. Die Werte von 1992 und 2013 sind mit den Durchlässen zusammen zu sehen.

Die gesamte Bestandsentwicklung ist uneinheitlich, geht aber seit 2007 stark zurück.

Kammmolche

Dieses Diagramm zeigt das Vorkommen von Kammmolchen. Diese seltene Molchart kommt am Killenweiher vor. Der überdurchschnittliche Wert von 2013 ist den Durchlässen geschuldet. Diese Molchart scheint fast ausschließlich die Durchlässe zu benutzen.

Die gesamte Bestandsentwicklung ist uneinheitlich. 5 bis 10 Exemplare werden regelmäßig an den betreuten Fangzäunen vorgefunden. Daran hat sich bis heute nur wenig geändert.

Amphibienzählung 2020

Für unsere Helfer; Eingabe ins Internet hier

Der aktuelle Stand der Amphibienwanderung hier

Überlegungen zu den Amphibienwanderungen im Frühjahr

Pegel zum Ende der Amphibienwanderung am 25.März.  (G.Vollmer)

Im ausklingenden Winter, schon im Februar, beginnen die Amphibien mit ihrer Wanderung zu den Laichgewässern. Sie erwarten, ihrem Instinkt gehorchend, in den Weihern ihres Reviers Wasser, denn das brauchen sie für ihren Nachwuchs.

Die Weiher des Salemer Klosters sind aber keine natürlichen Gewässer. Sie sind nicht naturgegeben mit Wasser gefüllt, sie können abgelassen sein. Das wird regelmäßig im Herbst praktiziert. Wichtig für die Amphibien ist aber, dass während der Laichsaison das Wasser wieder bis in die Schilfzone hineinreicht.

Der aktuelle Wasserstand (25. März2019) zeigt aber, dass einige Weiher noch zu wenig Wasser führen.

Bleibt noch anzumerken, dass sogenannte Winterungen (Winter ohne Wasser) oder Sömmerungen (im Sommer ohne Wasser) den Amphibienbestand nicht bedrohen, allerdings nur unter der Bedingung, dass solche Maßnahmen nur gelegentlich (Zyklus von 5 bis 10 Jahren) erfolgen 

Aufbau der Amphibienanlage am Killenweiher

Die Landstraße zwischen Mühlhofen und Salem-Mimmenhausen verläuft zwischen Olsenweiher und Killenweiher. Es wurde schon früh offensichtlich, dass zwischen den Weihern und den sie umgebenden Wäldern ein reger Wanderbetrieb von Frosch & Co. stattfindet. Besonders die Laichwanderungen im Frühjahr fielen auf, leider durch unzählige überfahrene Tiere.

Dass hier Abhilfe nötig war, wurde noch rechtzeitig ernst genommen. Es wurde eine Amphibienleitanlage geplant und umgesetzt. Das war im Jahr 1990. Bis dahin wurden die Amphibien durch Plastikzäune und Fangeimer vom Überqueren der Straße abgehalten und durch Helfer über die Straße getragen. Ab 1990 war dann die Anlage installiert und erfüllt bis heute ihren Zweck sehr gut.

Das Konzept der Anlage besteht aus Tunneln, die unter der Fahrbahn verlaufen. Die Tunnel sind aus Betonformsteinen (U-Profile) gebaut. Sie haben prinzipbedingt einen unbefestigten Boden aus Lehm (die offene Seite des Profils ist nach unten gekehrt). Des Weiteren sind Leitanlagen aus Beton auf beiden Seiten parallel zur Fahrbahn angebracht, die von Amphibien nicht überklettert werden können. Die Tiere müssen so der Leitanlage folgen, bis sie einen Tunnel erreichen und dann geht's ab zur anderen Straßenseite.

Auf Grund topografischer Gegebenheiten sind drei Teilstücke der Leitanlage aus folienbespannten Holzzäunen gefertigt. Das wurde immer dort notwendig, wo die Leitanlagen durch Wald geführt werden mussten. An den Einmündungen von Wald- bzw. Feldwegen wurden Betonrinnen mit groben Abdeckgittern als Barrieren eingebaut.

Eine Besonderheit dieser Anlage sind Verlängerungen sowohl in Richtung Mimmenhausen als auch in Richtung Mühlhofen. Sie bestehen aus Plastikzäunen (ca. 30m + 50m), 10 Fangeimern und sind nur im Frühjahr für 6 Wochen (Februar bis April) installiert. Die Eimer sind nummeriert, um sie statistisch ansprechen zu können. Aus methodischen Gründen (Vergleichbarkeit der Fangergebnisse) wurde Eimer 2 in der Nummerierung belassen, obwohl er nicht mehr eingebaut ist.

Die nebenstehende Skizze zeigt die Anlage mit ihren wichtigsten Details.    

Aufstellen des Folienzauns.

Im Bild sieht man die Verlängerung mit Folienzaun in Richtung Mühlhofen (Olsenweiher). Im Vordergrund ist ein Fangeimer eingebaut.

Download: Liste Amphibienzählung 2020

Für unsere Aktiven; die Liste zum Ausdrucken findet ihr hier.

Amphibienleitanlage: Skizze

Schematische Darstellung der Amphibienanlage am Killenweiher  (G.Vollmer)

Die Skizze zeigt den prinzipiellen Aufbau der Amphibienanlage an der L201.

Hier als PDF.

Historie der Amphibienwanderung

1985  Start des Amphibienschutzes: Die BUND-Gruppe Salem betreute einen Folienzaun mit Fangeimern. 
Gerettete Tiere: 630
1986 bis 1989 Kontinuität: Die BUND-Gruppe Salem schützte die Amphibien weiterhin mit einem Folienzaun (Eimern). 
Die Anzahl der geretteten Tiere schwankte von 1227 bis 2040.
1990  Übernahme: Die BUND-Gruppe Uhldingen wurde gegründet. Sie unterstützte den BUND Salem bei der Betreuung eines Folienzauns. 
Gerettete Tiere: 1091
Der BUND Uhldingen übernahm ab da den Amphibienschutz rund um den Killenweiher, dazu gehörte auch der Schutz an der Grasbeurerstraße.
1991  Bauliche Veränderung: Im Zuge des Baus eines Radwegs entlang der L201 wurde auch eine feste, ganzjährig wirksame Amphibienleitanlage eingebaut. Die Akzeptanz der Anlage durch die Amphibien wurde von der Uni Konstanz untersucht. Der BUND Uhldingen lieferte der Uni die täglichen Ergebnisse.
Gerettete Tiere: 1919 an den Durchlässen.
1992  Untersuchung: Die Wirksamkeit der Amphibienleitanlage wurde vom Landratsamt mit privat arbeitenden Biologen bestätigt. 
Gerettete Tiere: 2783 an den Durchlässen.
BUND Uhldingen: Beobachtungen an der Straße wiesen die Anlage als zu kurz aus. Verlängerungen durch Folienzäune an beiden Enden wurden anschließend Jahr für Jahr eingebaut.
1993 bis 2012 Kontinuität: Die Verlängerungen der Amphibienleitanlage wurden in jedem Jahr betreut; die geretteten Tiere an den Verlängerungen registriert. Die Tiere, die durch die Durchlässe wanderten wurden dagegen nicht mehr registriert, um den Tieren den damit verbundenen Stress zu ersparen. Die Anzahl der geretteten Tiere an den Verlängerungen schwankte in den Jahren von 165 bis 3245. 
Die große Schwankungsbreite konnte bisher nicht geklärt werden, u.U. haben einfach mehr Tiere die Durchlässe benutzt.
2013  Untersuchung: Nach 20 Jahren wurden die Durchlässe wieder untersucht. Es sollte festgestellt werden, wie/ob sich die Wanderung durch die  Durchlässe verändert hat.
Ergebnis: 1990 Tiere durchquerten die Durchlässe, 805 Tiere wurden an den Verlängerungen gerettet.
2014 bis heute Kontinuität: Die Verlängerungen an der Amphibienanlage wurden in jedem Jahr weiterhin betreut.
Die Schwankungsbreite bei den geretteten Tiere betrug 215 bis 1206.  

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